Leserbrief von Hedda Brockmeyer

Gedanken zur Ausgabe Rheinpfalz 94 vom 23.4.2021

Franz Kafka hätte wahrscheinlich nicht mehr Freude – aber einen Haufen Material.

Neben intensiver Recherche in Rainer Maria Rilkes Werk und Leben für nächste Bühnenprojekte (die mir – dem Ministerium sei Dank – durch ein Projektstipendium möglich ist) widme ich mich allmorgendlich dem Studium der Tageszeitung.

Rheinpfalz Ausgabe Nr. 54 vom 5. März, Hintergrund: Stufenplan!! Theater dürfen öffnen! Also mache ich eine Rilke-Pause, bemühe mein Hirn in eine andere Richtung und mein Telefon. Veranstaltungstermine werden vereinbart. Leider hält sich das Gesundheitsamt auf meine Anfrage, ob wir unser Hygienekonzept vom September und Oktober 2020 verwenden dürfen, bedeckt.

Also Abwarten. Die Motivation hält sich wacker, hat doch der Theater- und Kulturförderverein Hambach e.V. mit Hilfe von „Neustart Kultur“ Lüftungsgeräte für seinen Veranstaltungsort „Theater in der Kurve“ anschaffen können. Das wird. Es kommen sogar Reservierungen!
Durch eine weitere „Neustart Kultur“-Förderung an den Verein könnte auch bei geringer Zuschauerzahl Künstlern ein angemessenes Honorar gezahlt und Veranstaltungskosten gedeckt werden! Super!

Nach 16 abgesagten Vorstellungen seit November bleibt im April noch eine Veranstaltung übrig, bevor der Bundesbeschluss ins Haus steht. In der Zeit dazwischen von „Theater“ kein Wort. Tübingen und Saarbrücken machen Hoffnung. Noch immer glaube ich an den Stufenplan.
Ich erweitere meine Recherche, um zu einem Ergebnis für die „letzte Veranstaltung vor Bundesbeschluss“ zu kommen und öffne die Corona-Seite des Ministeriums RLP, wühle mich durch seitenlange Bestimmungen zu Sport, Schule und…da! Ein Absatz für Theater: nach der konsolidierten Fassung vom 10. April sind Theater geschlossen. Ach so! Na dann, Absage, ist ja klar. Ich freue mich diese Erwähnung überhaupt gefunden zu haben.

23. April 2021, 40 Ausgaben später: Noch einmal ein Freudenschauer, als ich „Theater“ im Text lese: Das Tübinger Modellprojekt muss beendet werden, Zitat Boris Palmer: „(…)ab Montag alles dicht. Theater, Handel(….)“ – HA! PLATZ 1! (Ich danke Boris Palmer, das sieht nach liebevoller Priorität für die Kultur aus).

Die Neustadter Inzidenzzahlen sehen gut aus, aber das muss mich in Sachen Theater nicht mehr interessieren. Ich kann mir jetzt Zeit nehmen für meine Zeitung.

Land/Hassloch: Die Kreisverwaltung SÜW erlässt Ausgangsbeschränkung. Die Wohnung darf zwischen 21 Uhr und 5 Uhr nicht verlassen…MOMENT! War da nicht auf der Coronaseite des Ministeriums RLP gestern was anderes? Und tatsächlich, auch in der Rheinpfalz zu lesen, überregionale Ausgabe Seite 1 „Länder akzeptieren Notbremse ungern“ – Ausgangssperre gilt von 22 bis 5 Uhr, Ausnahme bis Mitternacht für Einzeljogger und Spaziergänger.

Wie ist in diesem Zusammenhang genau das „ungern“ in Bezug auf den Erlass der Kreisverwaltung gemeint?

Das Wort „Theater“ findet auch in letzterem Artikel keinen Platz, die Kultur muss sich wohl unter dem Begriff „Freizeiteinrichtungen“ stillschweigend einsortieren.

Zurück zu Kafka… wie ist denn der Plan? Wenn die Kultur mit ihren Schaffern und Einrichtungen nach und nach vergessen wird – vielleicht vergessen sie sich ja bald selbst? Das wäre eine einfache und nachhaltige Lösung. Förderungen könnten in Schweigegeld umgewidmet werden, sie verfielen dann nicht.

Liebe Bewohner des Landkreises SÜW, wenn Ihr das Bedürfnis bekommt Euch zu vergessen – ich bin dabei! Ich komm rüber und mach mit! Bis ca. 23.45 Uhr, dann jogge ich mit der überregionalen Ausgabe der Rheinpfalz von heute unterm Arm heim. Falls ein guter Grund abgefragt wird….

Hedda Brockmeyer